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Verantwortung abgeben als Führungskraft: Wie komme ich aus dem Kreislauf?

Wenn Veränderung im Team ankommt · Teil 2 von 2

Wenn Veränderung im Team ankommt · Eine Fortsetzung über Verantwortung, Zweifel und die Möglichkeit, wieder klarer zu sehen.

Vielleicht haben Sie sich in Teil 1: Warum landet am Ende wieder alles bei mir? wiedererkannt: Sie möchten mehr Verantwortung abgeben und übernehmen im entscheidenden Moment doch wieder selbst. Jetzt bleibt die Frage: Wie soll ich es anders machen, wenn ich für das Ergebnis geradestehen muss?

Wenn Loslassen sich riskant anfühlt

Stellen wir uns eine Teamleiterin vor. Eine Prozessänderung bleibt an ihr hängen. Wieder bittet das Team um Rückversicherung. Sie ist genervt und denkt: Wenn ich es nicht selbst mache, wird es nicht rechtzeitig fertig. Zugleich weiß sie, dass sie auf Dauer so nicht weiterarbeiten kann.

Eine Frage verändert den Blick

Im Gespräch könnte sichtbar werden, dass Team und Leitung auf Unterschiedliches warten: Das Team auf Rückhalt bei einer unsicheren Entscheidung, die Leiterin auf ein Zeichen, dass sie sich auf das Team verlassen kann. Beide warten. Beide erleben die andere Seite als Teil des Problems.

Damit öffnet sich eine andere Frage: Woran könnten beide Seiten erkennen, dass sie Verantwortung gemeinsam tragen? Vielleicht fehlt eine klare Entscheidungsgrenze. Vielleicht eine Zusage, die auch bei Schwierigkeiten hält. Was davon zutrifft, lässt sich nur mit den Beteiligten klären.

Vielleicht muss ich zuerst verstehen, worauf wir gegenseitig warten, bevor ich erneut versuche, mehr Eigenständigkeit einzufordern.

Die Teamleiterin und die Situation sind fiktiv. Das Beispiel zeigt einen möglichen Gedankengang und keine nachgewiesene Kundenwirkung.

Wenn ich selbst nicht mehr weiterweiß

Eine schwierige Führungssituation beschäftigt oft länger als das Gespräch selbst. Man geht sie im Kopf erneut durch und findet trotzdem keine Antwort, die trägt.

Vom schnellen Urteil zur genaueren Frage

Mit etwas Abstand lässt sich prüfen, wie sicher eine Erklärung wirklich ist. Aus „Mein Team übernimmt keine Verantwortung“ kann die Frage werden: Bei welchen Entscheidungen gelingt es bereits – und was ist dort anders? Eine solche Ausnahme kann den Blick auf etwas lenken, das im täglichen Ärger untergeht.

Auch die eigene Unsicherheit hat einen Grund

Vielleicht fürchten Sie, Kontrolle zu verlieren, Ihr Team zu überfordern oder vor Ihrer eigenen Führung für einen Fehler einzustehen. Diese Gedanken verdienen einen Platz im Gespräch. Sie helfen zu verstehen, welche Sicherheit Sie selbst brauchen, um anders handeln zu können.

Wo ein Ausweg beginnen könnte

Manches liegt in Ihrer Reaktion auf eine Rückfrage. Anderes braucht eine klare Entscheidung von oben oder eine Absprache mit einem anderen Bereich. Diese Unterschiede zu erkennen kann entlasten: Sie sehen genauer, was Sie selbst verändern können und wofür Sie Unterstützung brauchen.

Was ich in die gemeinsame Arbeit einbringe

Ich höre zu, frage nach und mache Sie auf mögliche Zusammenhänge aufmerksam. Mit Ihnen und, wo sinnvoll, Ihrem Team prüfe ich unterschiedliche Sichtweisen. Daraus entwickeln wir eine passende nächste Handlung. Wenn sie im Alltag schwierig wird, betrachten wir gemeinsam, woran es liegt und was angepasst werden muss.

Die Aussicht: Ich verstehe besser, was hier geschieht. Und ich sehe wieder eine Möglichkeit, die ich vorher nicht gesehen habe.

Wo könnte mein nächster Schritt beginnen?

Bleiben Sie bei einer konkreten Situation. Welche Frage öffnet für Sie einen neuen Gedanken?

1. Welche wiederkehrende Situation möchte ich als Erstes anders erleben?

2. Was befürchte ich, wenn ich dort meine gewohnte Reaktion verändere?

3. Welche Sicherheit brauche ich selbst, um meinem Team mehr Verantwortung zuzutrauen?

4. Was kann ich meinem Team verlässlich zusagen – und wo brauche ich selbst Rückhalt?

5. Woran würde ich merken, dass ich wieder mit mehr Klarheit und weniger innerem Druck führe?

Sie brauchen noch keine fertige Antwort. Die Frage, bei der Sie innehalten, kann ein guter Ausgangspunkt sein, um Ihre Situation gemeinsam genauer zu betrachten.

Lassen Sie uns darüber sprechen

Bringen Sie den Moment mit, über den Sie immer wieder nachdenken. Im 90-minütigen Pulse Readiness Check suchen wir gemeinsam nach einer Sicht, die Ihnen weiterhilft. Wir klären, was Sie beeinflussen können und welcher nächste Schritt für Sie und Ihr Team sinnvoll sein könnte. Wenn Sie zunächst klären möchten, ob diese Begleitung zu Ihnen passt, können Sie über das Kontaktformular ein kostenfreies Erstgespräch anfragen.

Sie können mit Ihrer Ratlosigkeit ins Gespräch kommen. Daraus darf zunächst eine klarere Frage werden.

Fachlicher Hintergrund: Arbeiten zu einladendem Führungsverhalten [1] und beruflicher Emotionsregulation [2] geben Anregungen. Die geschilderten Gespräche und Reflexionsfragen sind eigene Praxisableitungen; sie belegen keine Wirkung von PatternShift Pulse.

[1] Nembhard, I. M. & Edmondson, A. C. (2006). Making it safe: The effects of leader inclusiveness and professional status on psychological safety and improvement efforts in health care teams. Journal of Organizational Behavior, 27(7), 941–966. https://doi.org/10.1002/job.413

[2] Grandey, A. A. & Sayre, G. M. (2019). Emotional Labor: Regulating Emotions for a Wage. Current Directions in Psychological Science, 28(2), 131–137. https://doi.org/10.1177/0963721418812771

Ein kurzer Impuls zum Erproben: „Bevor es schiefgeht, mache ich es lieber selbst.“

Alle Führungsimpulse

Ralf Becker · PatternShift Pulse