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Wenn alte Erfahrungen das nächste Gespräch bestimmen

„Mit dem Bereich brauchen wir gar nicht zu reden. Die blockieren sowieso.“

Vielleicht haben Sie diesen Satz schon gehört. Vielleicht denken Sie ihn selbst, wenn wieder eine Freigabe fehlt und der eigene Termin näher rückt. Es gab schließlich genug Anlässe: Zusagen wurden nicht eingehalten, Rückfragen blieben liegen, am Ende musste Ihr Team die Verzögerung auffangen.

Beim nächsten Vorgang rechnen Sie damit, dass es wieder so laufen wird. Sie fragen vorsichtshalber an zwei Stellen nach oder nehmen gleich die nächsthöhere Ebene in Kopie. Im anderen Bereich kommt eine weitere Eskalation an. Dort hat man inzwischen vielleicht eine ebenso feste Erklärung über Ihr Team.

So kann eine Zusammenarbeit aussehen, in der beide Seiten gute Gründe für ihren Ärger haben und kaum noch miteinander klären, was gerade passiert.

Was wir aus einer Erfahrung machen

Eine Erfahrung gibt uns Orientierung. Wenn eine Zusage mehrfach nicht eingehalten wurde, werden wir uns beim nächsten Mal anders absichern. Das kann vernünftig sein.

Schwierig wird es, wenn wir aus den einzelnen Vorgängen eine feste Eigenschaft der anderen machen. Wir wissen dann vermeintlich, wie dieser Mitarbeiter oder jener Bereich ist. Eine neue Verzögerung passt sofort ins Bild. Eine eingehaltene Zusage gilt als Ausnahme.

Dabei verändert sich auch unser eigenes Verhalten. Wir erklären weniger, weil es aus unserer Sicht ohnehin nichts bringt. Wir fragen erst spät nach oder legen schon im ersten Satz nahe, dass wieder jemand seine Arbeit nicht gemacht hat. Was wir selbst zum Gespräch beitragen, fällt uns meist weniger auf als die Reaktion des Gegenübers.

Die ursprüngliche Erfahrung bleibt richtig in dem Sinne, dass wir sie so erlebt haben. Ob unsere Erklärung auch für die heutige Situation trägt, müssen wir erneut herausfinden.

Ein Gedanke aus einem Interview

Der Impuls zu diesem Artikel kam aus einem Interview mit Herrn Vogel. Er berichtet von einem schweren Unfall und einer außergewöhnlichen Wahrnehmung, die nach seiner Darstellung sein weiteres Leben verändert hat.

Was mich daran beschäftigt, ist seine Vorsicht im Erzählen. Er begrenzt seine Aussagen wiederholt auf das eigene Erleben und korrigiert Begriffe, die der Interviewer ihm anbietet. Man muss seine spirituelle Deutung nicht teilen, um diesen Umgang mit der eigenen Erfahrung interessant zu finden.

Daraus nehme ich einen Gedanken für Führung mit: Eine Erfahrung ernst nehmen und zugleich ihre Verallgemeinerung begrenzen.

Die verpasste Zusage gehört auf den Tisch. Ebenso die Folgen für Ihr Team. Die Behauptung, der andere Bereich blockiere grundsätzlich, braucht dagegen einen genaueren Blick.

Vor dem nächsten Gespräch

Nehmen Sie einen aktuellen Vorgang, der Sie ärgert. Schreiben Sie auf, was vereinbart war, was tatsächlich geschehen ist und welche Folgen das hatte. Halten Sie daneben fest, wie Sie sich das Verhalten erklären.

Vielleicht fällt Ihnen dabei auf, dass die Vereinbarung gut belegt ist, die vermutete Absicht des anderen aber nicht. Oder Sie stellen fest, dass es nie einen gemeinsam bestätigten Termin gab. Es kann auch sein, dass sich die Kritik durch diese Prüfung erhärtet. Dann lässt sie sich konkreter ansprechen.

Ein Gespräch könnte so beginnen: „Wir hatten die Freigabe für Dienstag vereinbart. Heute ist Donnerstag, und unser Team kann deshalb nicht weiterarbeiten. Wo steht der Vorgang, und was können wir jetzt verbindlich vereinbaren?“

Damit wird die Verzögerung deutlich benannt. Zugleich bleibt Raum für eine Antwort, die Sie noch nicht kennen. Vielleicht fehlt eine Information. Vielleicht ist die zuständige Person überlastet. Vielleicht wurde eine Priorität geändert, ohne Sie einzubeziehen. Je nachdem braucht es eine andere Entscheidung.

Vereinbaren Sie anschließend, wer welchen Schritt bis wann übernimmt und wann Sie wieder voneinander hören. Bleibt auch diese Zusage aus, haben Sie einen konkreten Anlass für die weitere Klärung. Sie müssen die Zusammenarbeit dafür nicht mit einem pauschalen Urteil erklären.

Die eigene Sicht im Coaching prüfen

Wenn Sie ein Gespräch schon mehrfach geführt haben und sich wenig verändert, lohnt es sich, dessen Verlauf genauer anzusehen. Mit welcher Erwartung gehen Sie hinein? Was sagen Sie tatsächlich? An welcher Stelle reagieren Sie nur noch auf das, was Sie vom anderen bereits zu wissen glauben?

Solche Situationen können wir im Coaching gemeinsam durchgehen und das nächste Gespräch vorbereiten. Dazu gehört auch zu prüfen, ob Zuständigkeiten, Ressourcen oder widersprüchliche Vorgaben die Zusammenarbeit erschweren. Eine andere Gesprächsführung kann diese Bedingungen sichtbar machen; entscheiden und verändern müssen die Verantwortlichen sie anschließend.

Wenn Sie eine solche Situation beschäftigt, können Sie ein kostenfreies Erstgespräch anfragen. Wir besprechen Ihr Anliegen und klären, ob eine Begleitung für Sie passt.

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